Es folgt der Reuters-Blick zu wichtigen Entwicklungen aus der Unternehmenswelt über die Top-Themen des Tages hinaus:

NORWEGIAN AIR NORR.OL – Paris: Airbus AIR.PA AIRG.DE und Boeing (NYSE:BA) BA.N müssen sich im Zuge der Sanierung der norwegischen Fluggesellschaft laut Branchenkreisen auf Auftragsstornierungen einstellen. Norwegian hatte im vergangenen Jahr in Norwegen und Irland Gläubigerschutz angemeldet und arbeitet seither an einer Verkleinerung und Entschuldung des Konzerns. Vor dem irischen High Court läuft in dieser Woche eine Anhörung, in der es um die Nichtanerkennung von Zahlungsverpflichtungen geht, zu denen auch Flugzeug-Leasingverträge gehören. Norwegian hat allein 88 Airbus A320neo-Kurzstreckenmaschinen bestellt. Ein Norwegian-Sprecher wollte sich nicht äußern und verwies auf die laufende Anhörung.

CAZOO – Berlin: Großbritanniens größter Online-Autohändler übernimmt das Münchner Startup Cluno und stärkt damit seine Position auf dem Auto-Abo-Markt. Cluno, das sein Auto-Abo als Alternative zum traditionellen Autobesitz bezeichnet, zählt Tausende Kunden. Details zum Kauf gab Cazoo nicht, kündigte aber an, von München aus noch in diesem Jahr Dienste in ganz Europa anbieten zu wollen. Damit wird Cazoo zum direkten Konkurrenten für Auto1 AG1G.DE . Medienberichten zufolge erwägt Cazoo einen Börsengang über eine Mantelfirma (Spac), was das Unternehmen nicht kommentieren will. Kürzlich hatte Cazoo den britischen Auto-Abo-Anbieter Drover übernommen.

THOMSON REUTERS TRI.N TRI.TO – New York: Mitten in der Corona-Krise hat der Informationskonzern Umsatz und Betriebsgewinn gesteigert. Die Erlöse legten um zwei Prozent auf 1,62 Milliarden Dollar zu. Auch dank Einsparungen stieg der operative Gewinn (adjusted Ebitda) um ein Drittel auf 525 Millionen Dollar. Anders als die Sparten mit Produkten für Juristen und Unternehmenskunden stagnierte der Umsatz der kleinere Nachrichtensparte, zu der die Agentur Reuters gehört. “Wir sind mit unseren Ergebnissen für das vierte Quartal und das Gesamtjahr sehr zufrieden”, sagte Vorstandschef Steve Hasker. Er kündigte ein zweijähriges Umbauprogramm an, durch das Thomson Reuters sein Wachstum aus eigener Kraft beschleunigen und die Kosten senken wolle. Bis 2023 solle die operative Gewinnmarge auf 38 bis 40 (2020: 33) Prozent steigen.

TELEFONICA DEUTSCHLAND O2Dn.DE – Berlin: Der Mobilfunker verkauft zwei Call-Center in Deutschland an den schwedischen Anbieter Transcom. Es gebe viel weniger Anfragen als noch in den vergangenen Jahren, Kunden nähmen für Anliegen häufiger digital Kontakt auf, begründete die Tochter der spanischen Telefonica TEF.MC den Schritt. Finanzielle Details wurden nicht veröffentlicht. Nach dem Verkauf der Call-Center in Essen und Berlin, in denen rund 600 Mitarbeiter arbeiten, betreibt Telefonica Deutschland noch fünf Standorte in Bremen, Hamburg, Nürnberg, Rostock und Potsdam. Transcom-Manager Robert Kresing sprach davon, die Arbeitsplätze sichern zu wollen.

MÜNCHENER RÜCK MUVGn.DE – Frankfurt: Der weltgrößte Rückversicherer hat seinen Ausstieg aus der Versicherung des umstrittenen Gas-Pipeline-Projekts Nord Stream 2 bestätigt. Man habe Nord Stream 2 von der Beendigung des Vertrages informiert, erklärte ein Sprecher der Münchener Rück, ohne sich näher dazu zu äußern. Die USA versuchen die OstseePipeline von Russland nach Europa zu verhindern und haben daher mit Sanktionen gedroht.

HOME DEPOT HD.N – Bangalore: Die US-Baumarktkette profitiert in der Corona-Krise vom Trend zum Heimwerken. Der Umsatz schnellte im vierten Quartal um ein Viertel nach oben auf 32,3 Milliarden Dollar. Der Nettogewinn erreichte 2,9 (Vorjahr: 2,5) Milliarden Dollar. Die Quartals-Dividende soll um zehn Prozent auf 1,65 Dollar je Aktie steigen. Im Gesamtjahr ergab sich ein Umsatzanstieg um 20 Prozent auf 132,1 Milliarden Dollar und ein Zuwachs des Nettogewinns um 14 Prozent auf 12,9 Milliarden. Finanzvorstand Richard McPhail kündigte für 2021 bei einem unveränderten Umfeld der vergangenen Monate ein stagnierendes bis leicht positives Umsatzwachstum an und eine operative Marge von mindestens 14 Prozent.

H&M HMb.ST /IKEA/STORA ENSO STERV.HE – Stockholm: Das Gemeinschaftsunternehmen TreeToTextile der drei Konzerne wird nach jahrelanger Forschung eine Demonstrationsanlage für eine neue, nachhaltigere Textilfaser auf Holzbasis bauen. Die Fabrik soll eine Produktionskapazität von 1500 Tonnen haben. Die Eigentümer H&M, Ikea und Stora Enso bringen den Großteil der Investitionen von 35 Millionen Euro auf. Um ihren ökologischen Fußabdruck und die Umweltverschmutzung zu verringern, brauchen große Bekleidungs- und Möbelmarken dringend erschwingliche umweltfreundlichere Alternativen zu Baumwolle, traditioneller Viskose und Polyester. Das Joint Venture TreeToTextile war 2014 von H&M, Ikea und dem Investor Lars Stigsson gegründet worden. Ende 2018 war der finnisch-schwedische Papierkonzern Stora Enso eingestiegen.

CONTINENTAL CONG.DE /RECOGNI – Hamburg: Der Autozulieferer will einen Computerchip für autonomes Fahren auf den Markt bringen, der mit künstlicher Intelligenz eine schnelle Objekterkennung ermöglicht. Dazu beteiligte sich der Konzern aus Hannover am deutsch-amerikanischen Start-up Recogni, das eine Chiparchitektur für diese Zwecke entwickelt. Eingesetzt werden sollen die Prozessoren in Hochleistungscomputern von Autos. Dort übernehmen sie die Verarbeitung von Sensordaten, mit denen ein Fahrzeug seine Umgebung in Echtzeit erkennt. Continental bringt neben einer Minderheitsbeteiligung, deren Höhe das Unternehmen nicht verrät, auch Know-how in der künstlichen Intelligenz, der Fahrzeugsensorik und der Fahrerassistenzsysteme in die Entwicklung des Chips ein. Der neue Prozessor soll 2026 in die Serienproduktion gehen.

PFEIFFER VACUUM PV.DE – Düsseldorf: Der Vakuumpumpen-Hersteller hat unter anderem infolge von Mehrausgaben in der Corona-Krise und Wertminderungen einen Gewinneinbruch verbucht. Bei einem Umsatzrückgang um 2,2 Prozent auf 618,7 Millionen Euro sank das operative Ergebnis um 30,5 Prozent auf 45,3 Millionen Euro. Vorstandschefin Britta Giesen äußerte sich zuversichtlich: “Wir sind optimistisch, dass wir 2021 in der Lage sein werden, den Umsatz zu steigern und das operative Ergebnis zu verbessern.”

TRATON 8TRA.DE – München: Der Lkw-Bauer wechselt den Chef bei Scania aus. Traton-COO Christian Levin löst das Scania-Urgestein Henrik Henriksson ab, wie das Unternehmen mitteilt. Levin werde auch in Zukunft im Traton-Vorstand vertreten sein. Derzeit ist er für die Bereiche Forschung und Entwicklung sowie Einkauf zuständig. Diese Aufgaben werde Traton-Vorstandschef Matthias Gründler ab Mai zusätzlich übernehmen. Henriksson war seit 23 Jahren bei Scania und stand fünf Jahre an der Spitze der Traton-Tochter. Er wechselt zu einem neuen Unternehmen, das sich mit der Produktion von CO2-freiem Stahl beschäftigt.

ELRINGKLINGER ZILGn.DE – München: Der Autozulieferer hat sich mit Sparmaßnahmen gegen die Corona-Krise gestemmt. Trotz eines Umsatzeinbruchs um 14 Prozent auf 1,48 Milliarden Euro hielt ElringKlinger das operative Ergebnis (Ebitda) 2020 mit 180,9 Millionen Euro stabil. Pandemie-bedingte Gewinneinbußen von 42 Millionen Euro seien durch Effizienzsteigerung von 47 Millionen Euro wettgemacht worden. Beim Umsatz habe sich ElringKlinger besser geschlagen als der Automobilmarkt (minus 16 Prozent). Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) halbierte sich wegen hoher Abschreibungen auf 27,2 (2019: 61,2) Millionen Euro, die Ebit-Marge lag mit 1,8 (3,5) Prozent wie erwartet klar unter Vorjahr.

JOST WERKE JSTG.DE – Düsseldorf: Der hessische Lkw-Zulieferer hat seine zuletzt angehobenen Ziele 2020 erreicht und will weiter wachsen. Der Hersteller von Achsen und Kupplungen verbuchte dank eines Zukaufs ein Umsatzplus von acht Prozent auf 794,4 Millionen Euro. Das bereinigte operative Ergebnis (Ebit) schrumpfte leicht auf 73,2 (2019: 76,8) Millionen Euro, wozu die übernommene Alö Holding, ein schwedischer Hersteller landwirtschaftlicher Frontlader, 24,3 Millionen beisteuerte. “Wir haben unsere finanziellen Ziele erreicht und konnten die Flexibilität unseres Geschäftsmodells beweisen”, sagte Firmenchef Joachim Dürr (DE:DUEG). “Auf dieser guten Basis wird Jost 2021 aufbauen, erneut wachsen und die Ertragskraft des Konzerns weiter verbessern.”

FLATEXDEGIRO FTKn.DE – Frankfurt: Der Frankfurter Online-Broker profitiert wie die Konkurrenz von den boomenden Börsen. Der Umsatz verdoppelte sich im vergangenen Jahr auch dank der Übernahme des Brokers Degiro auf 261 (2019: 132) Millionen Euro, der bereinigte Betriebsgewinn (adjusted Ebitda) verdreifachte sich auf 114 (38) Millionen Euro, wie FlatexDegiro mitteilte. “Wir sehen eine weiterhin enorm starke Entwicklung des Kundenwachstums und der Handelsaktivität”, sagte Vorstandschef Frank Niehage. Bis Jahresende soll die Kundenzahl auf 1,8 bis zwei Millionen steigen von 1,25 Millionen Kunden Ende 2020. Die ausgeführten Transaktionen sollen 2021 bei 75 bis 90 Millionen liegen, nach 75 Millionen im vergangenen Jahr, bekräftigte der Online-Broker. “Ich bin sicher, dass sich unsere Investitionen in langfristiges, nachhaltiges Wachstum in einem weiteren steilen Anstieg von Umsatz, Marge und operativem Cashflow im Jahr 2021 und darüber hinaus niederschlagen werden”, sagte Finanzchef Muhamad Chahrour.

SCOUT24 G24n.DE – München: Der Betreiber des Immobilien-Portals Immoscout24 hat seine Ziele erreicht. Im abgelaufenen Jahr legte der Umsatz im 1,2 Prozent auf 353,8 Millionen Euro zu, wie Scout24 (NASDAQ:NKLA) mitteilte. Mehr private Immobilienanzeigen für Wohnungen machten das rückläufige Geschäft mit gewerblichen Anzeigen wett. Das bereinigte Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) stieg um 1,4 Prozent auf 212,3 Millionen Euro, so dass die operative Umsatzrendite (Ebitda-Marge) wie geplant bei 60 Prozent blieb. Für 2021 sagt Scout24 mittlere bis hohe einstellige Zuwachsraten für das private und einen leichten Zuwachs für das gewerbliche Geschäft voraus.

BEFESA BFSA.DE – Düsseldorf: Niedrige Preise vor allem für Zink ließen den Gewinn des Recyclers einbrechen. Bei einem Umsatzrückgang um 6,7 Prozent auf 604,3 Millionen Euro sank das bereinigte operative Ergebnis (Ebitda) im vergangenen Jahr um 20,4 Prozent auf 127 Millionen Euro, wie Befesa mitteilte. Der Nettogewinn fiel um 42 Prozent auf 47,6 Millionen Euro. Eine Prognose für 2021 soll Ende April folgen, wenn die Schmelzlöhne für das laufende Jahr festgelegt sind.

HUAWEI HWT.UL – Shanghai: Der chinesische Netzwerkausrüster und Smartphonehersteller ist 2020 leicht gewachsen. Chairman Ken Hu verwies auf einer Konferenz auf “außerordentliche Schwierigkeiten”. Huawei litt unter den verschärften US-Sanktionen, die es US-Firmen deutlich erschweren, den Konzern mit Technologie und Software zu beliefern. Die USA werfen dem Unternehmen vor, Verbindungen zur Regierung in Peking zu pflegen, und vermuten, Huawei biete eine Art Hintertür für Spione, um an Staats- oder Firmengeheimnisse zu gelangen. Huawei weist dies zurück.

RATIONAL RAAG.DE – München: Der Großküchen-Ausrüster erwartet nach dem Umsatz- und Gewinneinbruch im Corona-Jahr 2020 nun doch noch keine durchgreifende Erholung. Absatz und Umsatz dürften in diesem Jahr jeweils nur leicht steigen, teilte das Unternehmen aus Landsberg am Lech mit. Die Hauptkunden aus der Hotellerie und Gastronomie seien von den Corona-Schutzmaßnahmen hart getroffen und stark verunsichert. Das operative Ergebnis (Ebit) soll im gleichen Maß zulegen wie der Umsatz, so dass die Rendite auf dem Vorjahresniveau verharrt. 2020 war der Umsatz mit Dampfgarern und anderen Kochgeräten um 23 Prozent auf 650 Millionen Euro eingebrochen, das Ebit halbierte sich auf 107 Millionen Euro.

INDUS HOLDING INDS.CD – Düsseldorf: Die Corona-Krise hat dem Beteiligungskonzern mit Firmen aus dem Maschinenbau, der Autozulieferung, Metall- und Medizintechnik sowie Bau/Infrastruktur einen Gewinneinbruch eingebrockt. Bei einem Umsatzrückgang um 10,6 Prozent auf 1,56 Milliarden Euro sank das operative Ergebnis (Ebit) auf rund 25 (Vorjahr: 117,9) Millionen Euro. Für 2021 wagt der Vorstand noch keine genaue Prognose. Er blicke aber zuversichtlich aufs neue Jahr, “auch wenn 2021 sicher ein Übergangsjahr wird und die Unsicherheit hinsichtlich der konjunkturellen Entwicklung weiter hoch bleibt”, erklärte Firmenchef Johannes Schmidt.

HSBC HSBA.L – London: Europas größte Bank hat wegen des niedrigen Zinsniveaus und schwieriger Marktbedingungen ihr langfristiges Renditeziel aufgegeben. Statt einer Rendite von zehn bis zwölf Prozent werden zehn Prozent angestrebt. Zudem kündigte der Vorstand an, die Zahlung einer Quartalsdividende beenden und ab 2022 stattdessen 40 bis 55 Prozent des ausgewiesenen Gewinns je Stammaktie ausschütten zu wollen. Das wäre weit unter dem Niveau der letzten Jahre. Im vergangenen Jahr verzeichnete das Institut einen Rückgang des Gewinns vor Steuern um 34 Prozent auf 8,78 Milliarden Dollar. Damit schnitt die Bank allerdings etwas besser ab als von Analysten erwartet.

FACEBOOK FB.O – Sydney: Der US-Social-Media-Riese wird eigenen Angaben zufolge australische Nachrichtenseiten wieder auf seiner Plattform abbilden. “Wir sind zufrieden, dass die australische Regierung einer Reihe von Änderungen zugestimmt hat, die unsere zentralen Bedenken adressieren”, erklärte Facebook. Australien will ein Gesetz auf den Weg bringen, das Facebook und Google (NASDAQ:GOOGL) dazu zwingt, Medienunternehmen für Inhalte zu bezahlen Facebook hatte im Streit um das Gesetz den Zugang zu Nachrichten- und Katastrophendiensten in Australien vergangene Woche geblockt.

BOEING BA.N /PRATT & WHITNEY – Washington: Nach Angaben der US-Verkehrssicherheitsbehörde NTSB hat offenbar Materialermüdung in den Lüfterflügeln zu dem Triebwerksschaden bei der Boeing 777 von United Airlines (NASDAQ:UAL) UALUN.UL geführt. Ermüdungsbrüche in Triebwerken des Herstellers Pratt & Whitney waren bereits mit Unfällen in 2018 in den USA und 2020 in Japan in Verbindung gebracht worden. “Es ist wichtig, dass wir die Fakten, Umstände und Bedingungen rund um dieses spezielle Ereignis wirklich verstehen, bevor wir es mit anderen Ereignissen vergleichen können”, erklärte NTSB-Chef Robert Sumwal. Das Triebwerk wird am Dienstag unter Aufsicht von NTSB Ermittlern in einem Labor von Pratt & Whitney untersucht.

JOHNSON & JOHNSON JNJ.N – Bangalore: Der Pharma- und Konsumgüter-Hersteller hat 2020 wegen Rechtstreitigkeiten im Zusammenhang mit Asbestfunden in Talkumpulver 3,9 Milliarden Dollar zurückgestellt. Das ist fast doppelt so viel, wie das Unternehmen mit Sitz im US-Bundesstaat New Jersey im November für Vergleichszahlungen bei Babypuder-Urteilen angekündigt hatte. Johnson & Johnson (NYSE:JNJ) sieht sich in den USA mit rund 25.000 Klagen konfrontiert, dass das mit Asbest versetzte Talkum in dem Babypuder Krebserkrankungen verursacht habe, heißt es in einer Pflichtmitteilung. Die Nachrichtenagentur Reuters hatte 2018 berichtet, dass J&J jahrzehntelang von der krebserregenden Substanz in dem Puder wusste.

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