Frankfurt (Reuters) – Nach dem jüngsten Kursrutsch nutzen einige Anleger die Gelegenheit zum Wiedereinstieg in die europäischen Aktienmärkte.

Wegen der steigenden Corona-Neuinfektionen bleibe die Stimmung aber angeknackst, warnte Analyst Timo Emden von Emden Research. “Sollte es zu einem zweiten Lockdown kommen, dürften Anleger früher oder später das Handtuch werfen.” Dax und EuroStoxx50 stiegen am Freitag zunächst aber um jeweils mehr als ein halbes Prozent auf 12.787 und 3220 Punkte, nachdem sie am Donnerstag 2,5 Prozent verloren hatten.

Wenn die Ausbreitung der Pandemie wie bisher voranschreite, bleibe auch denjenigen Politikern, die landesweite Lockdowns vermeiden wollen, nichts anderes übrig, als nachzugeben, sagte Naeem Aslam, Chef-Marktanalyst des Brokerhauses AvaTrade. Dies würde die Wirtschaft wieder abwürgen. Außerdem hätten Investoren die Hoffnung auf rasche zusätzliche US-Konjunkturhilfen trotz des jüngsten Kompromissangebots von US-Präsident Donald Trump aufgegeben. “Angesichts der bisherigen Differenzen scheint eine Einigung vor der Wahl enorm schwierig.”

SICHERE HÄFEN GEFRAGT – BREXIT-SAGA IM BLICK
Vor diesem Hintergrund blieben “sichere Häfen” wie Bundesanleihen beliebt. Dadurch hielt sich die Rendite der zehnjährigen Titel mit minus 0,625 Prozent nahe ihres jüngsten Sieben-Monats-Tiefs. Die “Antikrisen-Währung” Gold verteuerte sich auf 1909,71 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm).

Daneben warteten Börsianer gespannt auf die Entscheidung des britischen Premierminister Boris Johnson über eine mögliche Fortsetzung der Brexit-Verhandlungen. Die Staats- und Regierungschefs der EU hatten sich bei ihrem Gipfel dafür ausgesprochen, nachdem Johnson ein von ihm gesetztes Ultimatum für einen Deal verstreichen ließ. “Es kommen so viele widersprüchliche Signale aus Brüssel, dass es schwierig ist, die Grundstimmung auszumachen”, sagte Derek Halpenny, Chef-Analyst für Europa bei Bank Mitsubishi (T:7211) UFJ. Sie habe sich zuletzt aber sicher eingetrübt. Der Pfund Sterling erholte sich dennoch etwas von seinen jüngsten Verlusten und verteuerte sich auf 1,2933 Dollar und 1,1046 Euro.

LIBERTY STEEL GREIFT NACH THYSSEN-STAHLSPARTE
Bei den Unternehmen stach Thyssenkrupp (DE:TKAG) mit einem Kursplus von zeitweise fast 25 Prozent heraus. Liberty Steel legte ein unverbindliches Angebot für die schwächelnde Stahlsparte des deutschen Industriekonzerns vor. Eine Summe nannte das britische Unternehmen zunächst nicht. “Das wäre faktisch die Zerschlagung von Thyssenkrupp”, kommentierte ein Börsianer. Die anderen Geschäftsbereiche wie das Aufzugsgeschäft seien entweder schon verkauft oder stünden davor.

Gefragt waren auch die Papiere von Daimler (DE:DAIGn), die sich um gut vier Prozent verteuerten. “Nach dem katastrophalen zweiten Quartal hat Daimler in die Gewinnspur zurückgefunden”, schrieb NordLB-Analyst Frank Schwope. “Auch auf Jahressicht sollte der Konzern noch deutlich schwarze Zahlen schreiben, sofern Corona dem nicht erneut in die Quere kommt.” In dieses Bild passte der erste Anstieg der europäischen Pkw-Zulassungen im laufenden Jahr. Diese Faktoren verhalfen den deutschen Daimler-Rivalen BMW (DE:BMWG) und Volkswagen (DE:VOWG) zu Kursgewinnen von jeweils mehr als ein Prozent. Der Index der europäischen Automobilbranche gewann sogar 2,5 Prozent.

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